Der Blick hinter die Nachrichten: DSA Worldnews

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Arbeitgeberbewertungsportale und frustrierte Mitarbeiter

Geschrieben von am 29.06.2011 in Fakten, Social Media Marketing | Keine Kommentare

Kommentar von Robert Justitz

Bewertungsportale, egal ob für Produkte, Dienstleistungen, Lehrer, Ärzte oder Arbeitgebern erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.
Dank Web 2.0. hat sich das Internet zu einem “Mitmachmedium” entwickelt und die Informationen fliessen nicht mehr einseitig
von Journalisten an die Nutzer, die Nutzer selbst können sich Ihre Meinung aufgrund vielfältiger Informationsquellen bilden und diese
mittels einfachster technischer Lösungen publizieren.

Was sind die Motive der User hier aktiv am Informationsfluss teilzunehmen?
Das Web 2.0 lebt vom Erfahrungsautausch, User berichten über ihre Erfahrungen mit Unternehmen, andere User möchten dazu auch
ihre Meinungen kundtun und daraus entsteht ein sinnvoller Erfahrungsaustausch.
Sehr häufig lese ich Produktbewertungen von Kunden, die ein Produkt gekauft haben für welches ich mich interessiere.
Dieses Bewertungen sind grundsätzlich glaubwürdiger als die Aussagen von Unternehmen, der Werbung oder des Verkäufers.
Das Thema Web 2.0 oder auch Social Media genannt ist ein hochinteressantes und effektives Medium der Meinungsbildung und auch des Marketings.

Aber, wie im echten Leben, wo Licht ist, ist auch Schatten
Das Web 2.0 ist grundsätzlich anonym, jeder kann unter selbst erdachten Benutzernamen seine Meinung äussern, dies bietet natürlich auch die Gelegenheit
der gezielten Reputationsschädigung. Jeder User kann ein Produkt, eine Dienstleistung oder auch einen Arbeitgeber aus niederen Beweggründen sehr schlecht
bewerten. Ein Nachweis über die Rechtfertigung dieser schlechten Bewertung muss nicht erbracht werden.

Bedenklich finde ich hinzu die Tatsache, dass Unternehmen sich genau diesen Umstand zu Nutze machen und kommerziell nutzen.
Als Beispiel möchte ich ein bekanntes Arbeitgeberbewertungsportal aufzeigen.
User (hier Mitarbeiter) dürfen kostenfrei und anonym ihren Arbeitgeber bewerten, seien wir realistisch und uns bewusst darüber, dass gerade ehemalige Mitarbeiter
hier ihrem Frust freien Lauf lassen und das ehemalige Unternehmen mit extrem schlechten und zum größten Teil unwahren Aussagen bewerten.
Möchte das Unternehmen hierzu Stellung nehmen, muss ein Unternehmensprofil erstellt werden, welches zwischen 200 – 300 € monatlich kostet!

Aus dem Sachzwang heraus registrieren sich natürlich viele Unternehmen, u.a. auch Konzerne, weil sie sonst keine Möglichkeit haben auf Kritik, ob gerechtfertigt oder bösartig, zu reagieren.

Ein äußerst moralisch bedenkliches Geschäftsmodell, wie ich finde.
Das Web 2.0 soll der Kommunikation zwischen Menschen untereinander oder auch mit Unternehmen dienen.
Unternehmen profitieren in hohem Masse von Bewertungen und Meinungen ihrer Kunden, diese Kommunikation sollte aber fair und frei zugänglich für jeden sein!
Um als Unternehmen nur gegen Entgelt auf Kritik zu reagieren widerspricht dem ursprünglichen Gedanken des Social Media.

In meinem nächsten Beitrag zu diesem Thema werde ich ein aktuelles Beispiel eines Kunden von mir schildern, welcher durch bösartige und anonyme Bewertungen geschäftlich massiv geschädigt wird und seine Existenz dadurch gefährdet ist.

Bis dahin freue ich mich auf Eure Kommentare

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