Der Blick hinter die Nachrichten: DSA Worldnews

Das dsa-Extrablatt blickt hinter die Kulissen: Wir erzählen die Geschichte hinter den Nachrichten. Mal kritisch, mal satirisch – immer lesenswert.

Der Social Media Manager – Berufsbild und Ausbildung

Geschrieben von am 12.02.2012 in Kapitel, Social Media Marketing | 1 Kommentar

Der Umgang mit den Social Media Kanälen, wie Facebook, Twitter, Blogs & Co gehört schon bei Jugendlichen zum Alltag. Diese Social Media Kanäle haben sich weitgehend im Kommunikationsverhalten etabliert und viele Unternehmen haben schon die vorhandenen Chancen für sich erkannt.

Nach Angaben des IT Dachverbandes Bitkom beschäftigt schon rund jedes zehnte Unternehmen in Deutschland Mitarbeiter, die sich ausschließlich um Social Media Aktivitäten kümmern.
Ein neues Berufsbild entstand, der Social Media Manager.
Worauf kommt es hier an?

Das Berufsbild ist noch zu neu, um einen klaren Rahmenausbildungsplan zu definieren, dementsprechend schwer ist es auch hier geeignetes Fachpersonal zu finden.
Bemüht man die Suchmaschinen, so liefern Sie mittlerweile hunderttausende von Suchergebnissen, die Social Media Spezialisten und Agenturen auflisten. Da das Berufsbild des Social Media Managers nicht definiert und auch nicht geschützt ist, kann sich jeder berufen fühlen diese Bezeichnung zu tragen.

Oft verbirgt sich hinter manch einem Social Media Manager gefährliches Halbwissen. Wer Social Media Kanäle privat nutzt und die Funktionsweisen von Facebook & Co kennt, selbst wer eine Fanpage bei Facebook erstellen kann, ist noch lange kein Social Media Manager! Gefragt sind vor allen Dingen Praktiker mit weitreichenden Erfahrungen und keine Theoretiker oder sogenannte “Technik-Nerds”!
Zu viele Kampagnen von diese selbsternannten Spezialisten, durchaus auch bei sehr grossen Unternehmen, sind in einer PR Katastrophe geendet.

Was zeichnet einen Social Media Manager aus?

Eine adäquate Vorbildung in den Bereichen Marketing, Betriebswirtschaft, Kommunikation oder PR sind schon einmal eine solide Basis. Weniger notwendig sind Kenntnisse in der Programmierung, dennoch sollte ein Social Media Manager stets gut über die Entwicklungen im Bereich der Kommunikationstechnologien  informiert sein.

Da Social Media Kenntnisse auch branchenspezifisch variieren, sind Berufserfahrungen in den jeweiligen Branchen auch durchaus von Vorteil. Plant beispielsweise ein Versicherungskonzern sich im Social Web zu engagieren, kann es durchaus sinnvoll sein, wenn der Bewerber zuvor bereits im Versicherungswesen gearbeitet hat und hier auf wertvolle Erfahrungen zurückgreifen kann.
Schließlich geht es im Social Media Marketing um Kundenkommunikation und an dieser Stelle ist es wichtig kompetent und auf Augenhöhe mitreden zu können.

Zur inhaltlichen Vertiefung der einzelnen Social Media Disziplinen bieten mittlerweile eine Unmenge an Bildungsträgern Weiterbildungsmöglichkeiten in den unterschiedlichsten Studienmodellen an.
Bis sich die einzelnen Themen zu einem einheitlichen Studien- oder Berufsausbildungskonzept vereinheitlichen wird wohl noch sehr viel Zeit vergehen. So sind Aspiranten für diesen Beruf auf Seminare, Vorträge und auf eigene Netzwerke angewiesen.
Eines wird sich aber definitiv nicht ändern: Der ständige Wille zur Beobachtung der Social Media Branche, denn auch hier finden in kurzen Intervallen immer neue Entwicklungen statt.

Was sind also die wichtigsten Skills, die ein Social Media Manager vorweisen sollte?

- Online-Affinität
Hier geht es weniger darum, viel Zeit im Internet zu verbringen, es kommt eher darauf an, dass sich der angehende Social Media Manager schon seit längerer Zeit mit diesem Kommunikationskanal aktiv beschäftigt hat. Er führt einen Blog, ist auf Twitter, Facebook & Co schon länger engagiert.

- Erfahrung
Das bloße Führen eines Blogs ist noch lange kein Indiz dafür, dass die Regeln des Web 2.0 verstanden wurden.
Erfahrungen aus einer langjährigen Tätigkeit einer Marketing- oder PR-Agentur sind schon eher gefragt. Wie soll ein junger Social Media Manager ein Unternehmen beraten, wenn er noch nie ein Unternehmen von innen gesehen hat? Also Vorsicht bei jungen Uni-Absolventen, die über keine Berufserfahrung verfügen. Das gleiche gilt bei Freelancern, entscheidend sind hier Erfahrungen und nachweisbare Referenzen.

- Kontakte
Verfügt der Social Media Manager über relevante Kontakte? Damit sind die Multiplikatoren innerhalb der Social Media Scene gemeint. Nur so können sich Nachrichten verbreiten.

- Kreativität / Konzeptionelle Fähigkeiten
Einem Unternehmen ein “Gesicht” im Social Web zu verleihen, benötigt ein gewisses Maß an Kreativität. Mit vorgefertigten und allgemeinen Konzepten wird ein Unternehmen in der heutigen Zeit keinen Erfolg im Social Web haben. Wichtig ist das Unternehmen zu verstehen, Besonderheiten herauszuarbeiten und die Athentizität in den Vordergrund zu stellen.

- Technisches Fachwissen
Wie bereits geschrieben, geht es hier nicht um besondere Programmierkenntnisse, jedoch sollte jeder Social Menia Manager sicher mit den technischen Werkzeugen des Social Webs umgehen können. Des weiteren sollte er in der Lage sein ein Pflichtenheft für die IT Abteilung erstellen zu können, um die technischen Erfordernisse einer Kampagne deutlich vermitteln zu können.

- soziale Kompentenz
Gerade in der Kommunikation mit Kunden sollte ein Social Media Manager besondere soziale Kompetenzen vorweisen können. Im Alltag des Social Webs kann es durchaus zu negativen Äusserungen, Kritiken oder auch Beleidigungen kommen. Hier wird besonders Sachlichkeit und konstruktive Kommunikation gefordert. Ein Social Media Manager, der ein schwaches Nervenkostüm hat und bei der kleinsten Kritik gleich beleidigt ist und dadurch unsachlich reagiert gefährdet die gesamte Social Media Kampagne.

- Kenntnisse im Monitoring
Das Monitoring ist ein Spezialgebiet im Social Media Marketing. Mittels speziell entwickelter Monitoring Software kann man die meisten Social Media Kanäle nach neuen Berichten über seine Kampagne im Blick behalten und unter Umständen zeitnah darauf reagieren.

- Neugier
Was treibt einen erfolgreichen Social Media Manager an? Stetige Neugier an technischen Errungenschaften, gerade im Zusammenhang mit den Möglichkeiten der Kommunikation. Ein “neugieriger” Social Media Manager hat sein Ohr stets am Puls der Zeit und erweitert ständig seinen persönlichen Horizont.

- Durchsetzungsfähigkeit kombiniert mit Teamfähigkeit
Der Social Media Manager wird in einen Unternehmen mehrere Kontaktpunkte zu den unterschiedlichsten Mitarbeitern haben. Meist kommt der Impuls, sich im Social Web zu engagieren von der Unternehmensleitung, nicht jeder Mitarbeiter wird darauf positiv reagieren. Oft kollidieren hier Interessen miteinander, eine Marketingabteilung wird in den seltensten Fällen spontan positiv auf einen externen Dienstleister reagieren, der das altbewährte Tagesgeschehen der Marketingabteilung optimieren wird. Hier ist ein besonderes Fingerspitzengefühl in der Kombination Durchsetzungs- und Teamfähigkeit gefordert, um Mitarbeiter von den Vorteilen von Social Media Marketing zu überzeugen.

Wie Sie sehen, ist die Auswahl eines Social Media Managers nicht wirklich vergleichbar mit üblichen HR Prozessen. Zeugnisse oder Zertifikate von Bildungsanbietern geben zwar einen Hinweis auf bestimmte Kompetenzen, sind aber niemals ein Garant für tatsächliche Kompetenz.

Robert Justitz

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann empfehlen Sie uns weiter!
DSA Extrablatt abonnieren

1 Kommentar


  • Von: Eva Ihnenfeldt
    am 11.03.2013 um 16:41 Uhr

    Ganz herzlichen Dank für den ausführlichen Artikel. Was zu diesen Fähigkeiten hinzukommt ist Change Management Kompetenz – denn Social Media Manager sind im Unterschied zu Community Managern (Online-Redakteuren) Führungskräfte, die das ganze Unternehmen im Blick haben und auch die internen Kommunikationsabläufe beeinflussen. Wir haben in unserer Business Academy Ruhr im Ruhrgebiet schon über 100 Social Media Manager gemeinsam mit der IHK ausgebildet – und tatsächlich gehen die Aufgaben weit über Facebook und Co hinaus – Geschäftsführung und Mitarbeiter lernen, Hand in Hand optimal zu kommunizieren – in einer vernetzten Welt ein unabdingbarer Wettbewerbsvorteil, auch in Hinblick auf Recruiting von Fachkräften!

Kommentar verfassen: