Der Blick hinter die Nachrichten: DSA Worldnews

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Die heile Welt einer Werbeagentur – Alles nur eine Illusion?

Geschrieben von am 01.03.2012 in Klartext | Keine Kommentare

Wer kennt nicht die netten Vorabendserien, die sich sehr gerne den Klischees der Werbebranche bedienen?
Alle Protagonisten sind äußerst kreativ, immer hochmotiviert und so stets gut gelaunt.
Der Chef fährt Porsche, im besten Fall betrügt er seine Ehefrau mit der Sekretärin und die Kunden sind fordernd, aber geduldig.
Selbstverständlich hinterlassen die Werber immer einen äußerst dynamischen Eindruck und sind stets ausgeschlafen.

Ich hoffe, das Klischee getroffen zu haben, da es mir aus Zeitgründen oft unmöglich ist, mir diese Serien zu Gemüte zu führen.
Sollte ich mit meiner Einschätzung völlig falsch liegen und es tatsächlich solche Agenturen geben, so bitte ich um Hinweis, gerne reiche ich meine Bewerbung dann ein!

Kommen wir zur Realität
Ich gebe zu einen Porsche mein Eigen nennen zu dürfen, auch mein Partner gönnt sich einen Sportwagen aus einer britischen Edelschmiede.
Da hört der Spass aber auch schon auf, auch streben wir nicht wirklich ein Verhältnis zu unseren Sekretärinnen an, da wir davon ausgehen können, dass unsere Ehefrauen nicht so naiv sind, wie die aus den Serien.
Des weiteren fehlt auch letztendlich die Zeit dafür.

Eine Werbeagentur, vorausgesetzt sie verfügt über genügend Kunden, ist ein straff geführtes Wirtschaftsunternehmen, dessen Aufgabe darin liegt ihren Kunden pünktlich qualitativ hochwertige Ergebnisse zu liefern.
Diese Anforderung zieht sich durch das gesamte Unternehmen.
Die Kontakter stehen unter Druck Werbebudgets zu gewinnen und dabei den ständigen Kontakt zu den Kunden zu pflegen, die Verwaltung stellt den Schrift- und Zahlungsverkehr sicher und die Gestalter müssen unter Zeitdruck die kreativen Ergebnisse liefern.
Der Workflow ist genauestens durchgeplant und in Zeitfenster aufgeteilt.

Eigentlich erinnert das eher an ein Unternehmen aus dem produzierendem Gewerbe, weniger an einer kreativen Dienstleistung oder?
Jetzt gehen Sie bitte nicht davon aus, dass ich oder mein Partner den ganzen Tag mit unseren Sportwagen durch die Gegend brausen, um  das Klischeebild des erfolgreichen Werbers auf der Düsseldorfer Kö zur Schau tragen!
Schön wärs allerdings!
Fakt ist jedoch, wie bei leitenden Angestellten üblich, dass die 40 Stunden Woche bereits am Mittwoch erreicht wäre.

Wie kann eine Werbeagentur es also bewerkstelligen seine gestressten Mitarbeiter weiterhin zu kreativen Höchstleistungen zu motivieren ohne sie “auszubrennen”?
Ein eigentlich sehr einfacher, vielleicht etwas kostenintensiver Ansatz ist eine spezielle Form der Fortbildung. In dieser Fortbildung sollen gerade unsere Gestalter ein wenig zur Ruhe kommen und dabei ihre Kreativitätsreserven auffüllen.
Unser Unternehmen führt daher regelmäßig unter der Leitung unser Diplom Designerin Maria Castro Lopez speziell entwickelte Fortbildungen durch.

Ich fasse einmal den Ablauf unserer 1,5 stündigen kreativen “Auszeit” zusammen:
Als Thema wurde “Identität” gewählt.
Was ist eigentlich Identität und welche Komponenten gibt es?
Diese Fragen wurden in einer entspannten Gruppendiskussion analysiert und anschließend mit praktischen
Aufgaben untermauert:

- Individuell: “Zeichne Deinen Namen” das heißt, sich selber und damit seine Identität visuell darzustellen
- Gruppenarbeit: Wie können wir uns ergänzen? Wie reagieren wir auf den anderen?

Wer nun meint, es handelt sich hier um eine Selbsterfahrungsgruppe, die frohlockend um einen Baum tanzt, den muss ich leider enttäuschen.
Auch wenn  diese Form der Schulung auf den ersten Blick ein wenig unkonventionell anmutet und so gar nichts mit der hippen Vorabendserie gemein hat, so wurden folgende Ziele erreicht:
Auch hat das erarbeitete Ergebnis eigentlich überhaupt nichts mit den bereits erwähnten Ritualen einer Selbsthilfegruppe zu tun.

Ich fasse das Ergebnis zusammen:

Eine gefestigte Identität hat u. a. zur Folge, dass das Individuum seine eigene Dynamik entwickelt, die es ihm auf der einen Seite ermöglicht, gesellschaftliche Prozesse selbst und eigenständig – im Sinne seiner Identität – zu beeinflussen und zu gestalten, sowie auf der anderen Seite sich bestimmten Einflüssen auszusetzen, um die individuelle Dynamik zu modifizieren.

Aus dieser Erkenntnis resultiert, dass ein gut eingespieltes Team aus verschiedenen Individuen besteht, die einzigartig sind und das Team bereichern, aber auch sich von den anderen Teammitgliedern positiv beeinflussen lassen, damit eine gute Zusammenarbeit möglich ist und zu einem besseren, gemeinsamen Ziel kommen.

Zu anderem realisiert jede Person eine begrenzte Anzahl menschlicher Möglichkeiten, unterdrückt andere, die bei andern Personen zur Entfaltung kommen. (Am besten Entfaltung einer Begabung, Selbstverwirklichung)

Wieder auf unser Team bezogen, heißt das, die Entfaltung verschiedener Möglichkeiten unterschiedlicher Teammitglieder bereichert die Gruppe. Die Spezialisierungen verschiedener Teams in bestimmten Bereichen ergänzen sich zu einem Gesamtkonstrukt.

Praktisch gesehen auf unseren hektischen Arbeitsalltag können unsere Gestalter hieraus auf wertvolle Hilfestellungen bei der Gestaltung individueller Kundenprojekte zurückgreifen.
Für den erfahrenen Werber unter Ihnen sicherlich keine bahnbrechende Neuheit, aber vielleicht besinnen Sie sich dazu, Ihren Mitarbeitern auch einmal die Möglichkeit zu geben durchzuatmen und sich auf die eigentlichen Ziele neu einzustellen.

Selbstverständlich werde ich über weitere Fortbildungen informieren.
Sollte ich hiermit einen gestressten und im besten Fall porschefahrenden Werbeagenturchef vielleicht inspiriert haben, so darf er mich gerne kontaktieren und ich überlasse ihm verschiedene Schulungsunterlagen.

Robert Justitz

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