Der Blick hinter die Nachrichten: DSA Worldnews

Das dsa-Extrablatt blickt hinter die Kulissen: Wir erzählen die Geschichte hinter den Nachrichten. Mal kritisch, mal satirisch – immer lesenswert.

Kapitel 2: Die Währungsunion und warum Staaten Pleite gehen können

Geschrieben von am 20.09.2012 in Eurokrise, Kapitel | Keine Kommentare

© Andrea Damm / pixelio.de

Die Idee einer einheitlichen Währung hat bereits die Gründerväter der Europäischen Union (EU) vereint: Ziel und Beweggrund der Bemühungen um eine EU war es Kriege zwischen Nachbarn ein Ende zu bereiten und der Wirtschaft im europäischen Raum Stabilität zu verleihen. Eine gemeinsame Währung war und ist der letzte Schritt einer wirtschaftlichen Integration: Für einzelne Staaten hat diese Konsequenzen.

Die Geschichte der europäischen Einigung ist geprägt von ihrer wirtschaftlichen Integration. Sie beginnt mit dem Plan des französischen Außenministers Robert Schuman für eine Montanunion im Jahr 1950. Aus diesem Plan entstand die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) im Jahr 1952 mit dem Ziel die Länder Europas wirtschaftlich und politisch zu vereinen. Dauerhafter Frieden sollte gewährleistet werden. Der EGKS folgen die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom). Mit dem Vertrag von Maastricht wurde 1993 schließlich die Europäische Union geschaffen.

Die sogenannten Maastricht-Kriterien bildeten die Grundlage für die spätere Einführung einer gemeinsamen Währung: Die EU-Mitgliedsstaaten verpflichteten sich gegenseitig fiskalpolitische und monetäre Vorgabewerte einzuhalten. Wer die Vorgaben erfüllte – genauer gesagt: weitestgehend erfüllte – war würdig und bereit für die Gemeinschaftswährung. Diese Staaten begannen 1999 mit dem bargeldlosen Zahlungsverkehr in der Gemeinschaftswährung Euro – 2001 wurde das Bargeld in Umlauf gebracht.

Quasi-Bankrott und reale Pleiten

In der gemeinsamen Währung sah man viele Vorteile: schwankende Wechselkurse und Wechselgebühren entfielen, dadurch werde der Handel für Unternehmen über die Staatsgrenze hinaus begünstigt, das Angebot der Verbraucher vergrößert und die Menschen angeregt zu reisen und Waren innerhalb der EU zu kaufen. Faktoren, die die Wirtschaft stabilisiere und den Wachstum antreibe. Der Euro erhielt als internationale Währung im Spannungsfeld zum US-Dollar größeren Einfluss.

Doch Staaten, die sich an einer Währungsunion beteiligen, geben die wirtschaftliche Steuerungsmöglichkeit ihrer Währung ab – sie können die Währung nicht auf- oder abwerten. Konkret bedeutet das: Verschuldet sich ein Land in seiner eigenen Währung, kann ein Staatsbankrott vermieden werden, indem die Zentralbank schlichtweg mehr Geld druckt. Die Schulden können bedient und abbezahlt werden. Theoretisch kann es nicht zur Pleite kommen. Jedoch steigt die Inflation stark an, welche im Land selbst bekämpft werden muss – gelingt das nicht, bleibt nur der Weg eines selbst erklärten „Quasi-Bankrotts“.

Das geht in der Währungsunion nicht: Ein Staat kann sich selbst kein Geld mehr drucken. Staatsschulden muss ein Staat über Anleihen auf dem internationalen Finanzmarkt bedienen. Wenn Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit eines Staates als so gering einschätzen, dass Anleihen nicht bzw. nicht frisstgerecht oder nicht vollständig zurückbezahlt werden können, werden sich für Anleihen keine Abnehmer mehr finden lassen und ein Staat gerät in die Insolvenz: Er kann seine Ausgaben nicht mehr bestreiten – der Staat ist pleite.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann empfehlen Sie uns weiter!
DSA Extrablatt abonnieren

Kommentar verfassen: