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Facebook Chronik – wohin geht die Reise?

Geschrieben von am 23.05.2012 in Fakten, Social Media Marketing | 1 Kommentar

Nachdem die neue Chronik für Unternehmen seit dem 1.April nun zur Pflicht wurde, wird es Zeit für eine kleine Zusammenfassung der wichtigsten Neuerungen und deren Auswirkungen.

Auf den ersten Blick bietet die grafische Oberfläche den Unternehmen eine ansprechende Möglichkeit die Fanpage weitgehenst individuell zu gestalten. Auch erhält der Administrator direkt auf der Startseite sofort einen Überblick über die wichtigsten Kennzahlen.
Beiträge der Unternehmen werden zeitlich sortiert, welches sich ebenfalls auf die Übersichtlichkeit der Unternehmenskommunikation positiv auswirkt. Kommentare der Fans werden in einer kleinen Sammelbox oben rechts auf der Fanpage angezeigt.

Soweit ein ganz kleiner Einblick in die Oberfläche der Chronik.
Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter detailliert auf technische Veränderungen eingehen, das haben andere Blogs schon zu Genüge getan.

Mich interessiert viel mehr die Auswirkungen auf den eigentlichen Social Media Grundgedanken.
Die Erfolgsstory von Facebook basiert auf der Grundidee zunächst Menschen unabhängig von Zeit und Raum zu vernetzen. Hier lässt sich sicherlich darüber philosophieren ob und wie sich das Sozialverhalten von Menschen digital auf das reale Leben auswirkt. In der Realität wird kaum ein Mensch hunderte von “Freunden” haben, soziale Netzwerke hingegen zielen auf auf das psychologisch begründbare Bedürfnis der Selbstdarstellung ab.
Soziale Netzwerke bieten dem Nutzer die Gelegenheit sein Profil dahingehend so darzustellen, wie er gerne in der Fremdwahrnehmung wahrgenommen werden möchte.

Betrachtet man beispielsweise die offizielle Fanpage des Sportwagenherstellers Porsche mit über 4 Millionen Fans in Relation zu ca. 86.000 Menschen, die sich bei Facebook über diese Marke tatsächlich unterhalten, liegt die Vermutung auf der Hand, dass sich viele Nutzer zu der Marke bekennen, um einen Eindruck zu hinterlassen. Sich zu einer Marke zu bekennen (also den “Like” zu betätigen) erscheint im persönlichen Profil des Nutzers und hinterlässt natürlich auch den gewünschten Eindruck.
Sind diese “Fans” tatsächlich schon Markenbotschafter? Ähnlich verhält es sich der “Fangewinnung” über Verlosungen.
Unbestritten erreichen diese Unternehmen eine Werbereichweite, aber ist die Werbereichweite im Social Media Marketing tatsächlich relevant? Ich wage dies bestreiten zu können!

Social Media Marketing ist eine Form der Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden auf Augenhöhe.
Hier nähern wir uns langsam dem Schritt die Neuerungen und deren Auswirkungen einmal kritisch zu betrachten.

Unsere Strategie für unsere Kunden Social Media Marketing zu betreiben, lag darin Markenbotschafter zu identifizieren und auf den Unternehmenseiten Kommunikation anzuregen.
Diese Kommunikation sollte aber stets von dem Kunden ausgehen. Im Social Media Marketing soll der Kunde über das Produkt / Unternehmen sprechen, das möglichst positiv. Das Unternehmen hingegen steht eher passiv und macht sich ein Bild darüber, wie es von seinen Kunden wahrgenommen wird. Erst darauf reagiert das Unternehmen und sucht den Dialog.
Durch die Neuerung, dass Kommentare von Fans (Kunden) eher unscheinbar in einer Sammelbox ausschnittsweise angezeigt werde und die Pinnwand ausschließlich von den Unternehmen mit Inhalt befüllt wird, verlassen wir hier eindeutig die Grundregel “Dialog auf Augenhöhe”

Aus meiner Betrachtung heraus hat sich die Fanpage von einer Kommunikationsplattform zu einer PR Plattform transformiert! Die Fanpages werden von Unternehmensbotschaften dominiert, sicherlich haben Fans weiterhin die Möglichkeiten die Inhalte zu teilen oder auch zu kommentieren, dennoch dominiert die Unternehmensbotschaft.
Ein weiterer auch sehr kritischer Aspekt der Neuerungen ist die Möglichkeit der vorherigen Freischaltung von Fanbeiträgen. Dieser Moderationsmodus kann durch den Administrator aktiviert werden und es findet vor der Veröffentlichung im Prinzip eine Zensur statt.
Wie die Social Media Gemeinde auf jegliche Art von Zensur reagiert mussten in der Vergangenheit einige Unternehmen schmerzhaft erleiden.

Facebook verletzt mit diesen Neuerungen die Grundregeln des Social Media Marketings. Der Grund dürfte auch klar sein, das Unternehmen muss gerade mit Blick auf den Börsengang Geld verdienen.
Dagegen spricht nichts, jedes Unternehmen wirtschaftet gewinnorientiert, bei mir kommt jedoch die Vermutung auf das Facebook seine eigenen Prinzipien ad absurdum führt. Wer ist Kunde, was ist das Produkt?
Sind Unternehmen, die Werbeanzeigen schalten die Kunden und die Nutzer das Produkt?
So scheint es fast, aber ich denke Facebook wird sich mit dieser Strategie selbst schaden.
Unternehmen, die auf Facebook vertreten sind und Werbeanzeigen schalten haben ausschließlich eine hohe Reichweite mit möglichst geringem Streuverlust Ziel. Es geht den Unternehmen weniger darum in einen Dialog mit Kunden auf Augenhöhe zu treten, vielmehr um das gezielte Reichweitenmarketing innerhalb eines sehr grossem sozialen Netzwerkes, welches sogar noch ein sehr präzises Targeting ermöglicht.

Können Unternehmen es verhindern, dass sich Kunden unter Umständen auch negativ über sie äussern?
Natürlich nicht, die Unternehmen verlieren aber die Möglichkeit in einen Dialog einzutreten, weil dieser eben nicht auf der Fanpage stattfindet, sondern irgendwo anders in den Galaxien des Social Webs.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass Facebook mit dieser Strategie langfristig erfolgreich sein wird, in der Realität ist nämlich der Nutzer von Facebook der Kunde! Wie schnell Nutzer in Massen zu anderen Netzwerke ziehen, hat die Vergangenheit auch gezeigt. Die VZ Netzwerke, MySpace und viele andere mehr waren ebenfalls sehr schnell erfolgreich, die Abwanderung erfolgte aber ebenfalls in einer rasenden Geschwindigkeit.

Ich werde mir diesen Blogbeitrag in genau 12 Monaten auf Termin zur Wiedervorlage legen und erneut thematisieren, wie sich diese und noch folgende Neuerungen ausgewirkt haben.

Selbstverständlich würde ich mich über Feedbacks, Kritik oder auch eine Diskussion sehr freuen!

Robert Justitz

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1 Kommentar


  • Von: Daniel Weber
    am 24.05.2012 um 09:05 Uhr

    Schade ist auch, dass die individuellen Reiter soweit versteckt worden sind, dass Sie keine Bedeutung mehr haben. Wo sich vor der Chronik witzige und unterhaltsame Angebote tummelten gibt es heute nur noch Meldungen der Unternehmen. Das höchste der Gefühle ist ein Video oder Bilder. Diese jedoch immer auf Facebook hochgeladen. Bei den Richtlinien von Facebook (Rechte der Bilder werden an Facebook abgetreten) ist da vorsicht geboten.

    Vorteile bringt dies natürlich auch. Es zählt mehr die authentischen selbstgemachten Bilder als die gekauften Hochglanzbilder. Die habe ich in einem Blogbeitrag bereites thematisiert. (http://www.funami.de/blog/keine-gekauften-hochglanzbilder-fur-facebook/)

    Fazit
    • Hervorgehobene PR Mitteilungen
    • Individualität weitestgehend ausgeblendet

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