Der Blick hinter die Nachrichten: DSA Worldnews

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Glaubwürdigkeit und Aussagekraft von Arztbewertungsportalen im Internet

Geschrieben von am 05.07.2011 in Fakten, Social Media Marketing | Keine Kommentare

kommentar von Robert Justitz

Das Internet hat zur Informationsgewinnung schon längst klassische Medien wie TV, Zeitschriften, soziales Umfeld, usw. abgelöst. Auch die Meinung vom Hausarzt wird kritisch hinterfragt und verschriebene Therapien unter Umständen im Internet „kontrolliert“.

Mittlerweile bietet das Internet eine Unmenge an Arztbewertungsportalen, auf denen Patienten ihre subjektive Meinung über den behandelnden Arzt oder der Klinik publizieren können.

Die Arztbewertungsportale verbergen jedoch eine Unmenge an Risiken.

Wie kann ein Patient, der in den meisten Fällen medizinisch nicht bewandert ist, beurteilen, ob die Therapie sinnvoll ist?
Subjektive Faktoren, wie Freundlichkeit, Ausstattung der Praxis, Terminvergabe, usw. lassen sich problemlos beurteilen und bewerten.
Die fachliche Kompetenz jedoch zu beurteilen halte ich für unmöglich.
Ein sympathischer Arzt kann völlig falsche Therapien verschreiben, ein unsympathischer und gestresster Arzt jedoch kann genau richtig liegen und die passende Diagnose stellen und die korrekte Therapie verschreiben.
Wonach bewertet der Patient? In den meisten Fällen geht es hier um Sympathie, die fachliche Eignung zu beurteilen ist fast unmöglich.

Ein weiterer, jedoch viel wichtiger Faktor der Arztbewertungsportale ist die missbräuchliche Verwendung zur aktiven Rufschädigung von regionalen Mitbewerber.

Mir ist ein Fall bekannt, den Namen darf ich ausdrücklich nennen, Herr Dr. Broichmann, Hautarzt aus Wiesbaden ist Opfer einer typischen Reputationsschädigung.
Eine umfassende Analyse der negativen Bewertungen, die Herrn Dr. Broichmann betreffen hat ergeben, dass es sich bei den „Bewertern“ um Personen handelt, die ausschließlich Herrn Dr. Broichmann bewertet haben, obwohl statistisch gesehen bewiesen Ist, dass User von Bewertungsportalen Bewertungen über mehrere Produkte oder Unternehmen abgeben.
Auch die Analyse des Schreibstils lässt vermuten, dass es sich hier jeweils um den gleichen Autoren handelt.

Rechtlich gesehen sind Herrn Dr. Broichmann aus Wiesbaden die Hände gebunden, die negativen Kritiken erfüllen keinen Straftatbestand und können somit auch nicht juristisch entfernt werden.
Für den Hautarzt aus Wiesbaden ist ein immenser Schaden an seiner Reputation und er wäre gut beraten hier eine Kommunikationsagentur zu beauftragen, die sich mit Krisenkommunikation auskennt.

Fazit:
Neben den Errungenschaften, wie Reichweite der freien Meinungsäußerung bietet das Web 2.0. mit samt seinen Bewertungsportalen eine Basis für Denunziation und Reputationsschädigung.
An dieser Stelle sollte die Bundesärztekammer mit dem Gesetzgeber eine einheitliche, nicht anonyme und sachlich wertvolle, bzw. aussagekräftige Bewertungsliste erarbeiten und als Standard einführen.

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