Der Blick hinter die Nachrichten: DSA Worldnews

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Kommentar: Zeitungssterben – Ursachen und Gratismentalität

Geschrieben von am 12.12.2012 in Kommentare | Keine Kommentare

Robert JustitzGerade erst wurde die Insolvenz der „Frankfurter Rundschau“ veröffentlicht, da taumelte auch schon die „Financial Times Deutschland“ und weitere Redaktionen schwanken. Warum sind gegenwärtig so viele Journalisten von Arbeitslosigkeit bedroht und wo liegen die vermeintlichen Ursachen?

Reflexartig wird die Ursache der Krise in der Gratismentalität der Internetnutzer gesucht. Schließlich ist es üblich, dass alle möglichen Informationen umsonst im Internet verfügbar sind. Dieses Argument ist fast so schlüssig, wie die Schuld der Werksschließung von Opel der amerikanischen Konzernmutter zu zuschieben. Hier scheint die Lage ja ähnlich zu sein: Anstatt sich zu hinterfragen, ob die Marken-, Produkt- und Absatzpolitik von Opel falsch war, sucht man die Schuld bei der Konzernmutter, die gewissenlos Tausende von Arbeitsplätzen dem Profit opfert.

Zunächst sollte sich jeder verantwortliche Unternehmer selbst hinterfragen, ob nicht vielleicht doch Managementfehler Auslöser der Krise waren. Die Entwicklung des Internets geschah nicht über Nacht. Vielmehr ist es eine, sicherlich sehr schnelle, technische Evolution, an der sich die Marktteilnehmer anzupassen haben.

Schuld bei den Verlagen?

An der so oft erwähnten Gratismentalität sind die Verlage zum Teil selbst schuld. Wie möchten sie einem Leser erklären, dass er ein kostenpflichtiges Printprodukt erwerben soll, wenn die gleichen Inhalte auf der Online-Seite des Verlages kostenfrei zugänglich sind? Auch die hektische Einführung von „Zeitungs-Apps“ konnte den Abwärtstrend nicht stoppen. Zu schnell und zu weit hatten sich die kostenfreien Inhalte bereits verbreitet, als dass das Ruder noch herumgerissen werden konnte.

Anstatt reiheweise Redakteure zu entlassen und Gehälter zu drücken, um zwanghaft schwarze Zahlen schreiben zu können, hätten sich die Verlage strukturell neu aufstellen müssen. Das Ergebnis ist bekannt: Weniger Redakteure, sinkende Qualität, weniger Relevanz, sinkender Umsatz. Dabei gelingt es trotz oder gerade aufgrund des Internets vielen Unternehmen Umsatzsteigerungen zu erwirtschaften. Für strategische Fehler im Management den Leser zur Verantwortung ziehen zu wollen, beschert den Verlagen mit Sicherheit weiter sinkende Umsatzzahlen, als gnädige Spenden.

Wenn ein Geschäft nicht funktioniert, sollte man sich zuerst selbst hinterfragen, bevor man einen Sündenbock erfindet. Ich lasse mich zur These hinreißen: Hätte Opel sich beschwert, ihre Kunden zahlen für ein Auto zu wenig, hätten sie keinen Wagen mehr verkauft.

Robert Justitz

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