Der Blick hinter die Nachrichten: DSA Worldnews

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Social Media und glaubwürdige Bewertungen

Geschrieben von am 30.06.2011 in Fakten, Social Media Marketing | Keine Kommentare

Kommentar von Robert Justitz

Über die Chancen aber auch Gefahren des Web 2.0 habe ich im vorherigen Blog bereits kurz berichtet.
Anhand eines konkreten Beispiels möchte ich diese Thema weiter vertiefen und vielleicht zum Nachdenken anregen.

Dieses Beispiel stammt aus dem Jahr 2010, beleuchtet aber sämtliche Faktoren zum Thema Glaubwürdigkeit von Bewertungen.
Zu dieser Zeit wollte ein deutsches Unternehmen ein Konkurrenzprodukt zum IPad von Apple auf den Markt bringen.
Nachdem bereits bei den ersten Pressekonferenzen die Testgeräte nicht einwandfrei liefen und technische Vorgaben nicht eingehalten
wurden reagierte die Fachpresse schon etwas kritisch und behielt das Produkt und das Unternehmen im Auge.

Nicht ohne Grund, wie man im Nachhinein weiß, da sich die weitere Entwicklung zu einem riesigen PR Debakel entwickelte.

Was war passiert?

Der Geschäftsführer der WeTab GmbH, Helmut Hoffer von Ankershoffen hatte wohl irgendwo mal was von Social Media Marketing gelesen und sich gedacht : „Das kann ich auch!“
Pünktlich zur Markteinführung tauchten auch schon die ersten vermeintlichen Kundenbewertungen bei Amazon auf und lobten das Produkt hoch in den Himmel.
Unglücklicherweise (gepaart mit einer grossen Portion Dummheit) verwendete von Ankershoffen nicht seinen realen Namen, sondern den Namen „Peter Glaser“,
ein sehr prominenter Technikjournalist und Schriftsteller. Wahrscheinlich ließ auch er diese Fake – Kampagne auffliegen.

Tatsächlich führte dieser Name aber genau in das Büro des Geschäftsführers von Ankershoffen, bzw. zu einem Account der Ehefrau.
Reumütig gab der Geschäftsführer zu, Urheber dieser Kundenbewertungen zu sein, er wollte lediglich seine Freude über den Marktstart zum Ausdruck bringen.
Warum er dafür einen falschen Namen verwendete könnte nur von Ankershoffen selbst erklären.

Er zog seine eigene Konsequenz und ließ den Geschäftsführerposten bis auf Weiteres ruhen.
Der neue Geschäftsführer Tore Meyer versprach eine Neuausrichtung der Unternehmensphilosophie und technische Nachbesserungen am WePad selbst.

Nebenbei sei bemerkt, dass sich die Fachpresse einig darüber ist, dass das WePad kein Konkurrenzprodukt zum IPad ist, sich technisch jedoch positiv entwickelt, aber eher als Tablet – PC anzusehen ist.

Noch sehr viele Jahre wird der Begriff „WePad“ mit den gefälschten Kundenbewertungen in Zusammenhang gebracht. Das Internet vergisst nie.
Selbst Interessenten für dieses Produkt, die sich einfach nur über eine Suchmaschine informieren möchten stoßen unweigerlich auf diese Geschichte.

Hier stellt sich erneut die Frage, warum muss Social Media anonym sein?
Das Recht der freien Meinungsäußerung ist gesetzlich geregelt, niemand, der sich an die gesetzlichen Bestimmungen hält muss Sorge um Repressionen haben.
Die mögliche Anonymität erst ermöglicht Mißbrauch des Web 2.0.!

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