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Wer kontrolliert unser Wasser?

Geschrieben von am 06.08.2014 in Klartext | Keine Kommentare
© Minerva Studio - Fotolia.com

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In Deutschland gibt es einen eklatanten Mangel an zuverlässiger Kontrolle. Denn: Niemand kontrolliert den Eigentümer, nachdem das Wasser an der Wasseruhr angekommen ist. Ein mutiger Diplom-Ingenieur hat sich vor einigen Jahren der Sache angenommen und kämpft seitdem für effektive Kontrollen.

Sauberes Trinkwasser wird zunehmend ein knappes und teures Gut. Privatisierungspläne verschärfen den Kampf um sauberes Wasser auf Kosten der Armen. 94,23 Prozent des Wasservorkommens der Erde bestehen aus Meerwasser und sind wegen seines hohen Salzgehaltes weder als Lebensmittel noch für die Landwirtschaft verwendbar. Nur 0,2 Prozent des Süßwassers sind den Menschen zugänglich. Man muss nicht immer in die Entwicklungsländer blicken, um Missstände zu entdecken: In Deutschland fehlen an der entscheidenden Stelle zuverlässige Kontrollmechanismen.

Wasser ist unersetzlich

Wasser ist der Ursprung allen Lebens. Jeder chemische und biochemische Prozess setzt die Anwesenheit von Wasser voraus. Ohne Wasserdampf in der Atmosphäre würde die mittlere Temperatur an der Erdoberfläche nicht 15 °C, sondern -18 °C betragen. Ein Mensch kann bis zu 14 Tagen ohne Nahrung auskommen, ohne Wasser ist man bereits nach 96 Stunden verdurstet. Wir benötigen Wasser zum Waschen, Duschen, Trinken und zur Nahrungsaufbereitung. Jeder Deutsche verbraucht 4.000 Liter virtuelles Wasser am Tag. Virtuell meint am Beispiel der Nahrungsmittelindustrie: Jedes Kilo gegessenes Steak hat auf seinem Weg zu unserem Teller 16.000 Liter Wasser verbraucht.

Ein bewusster Umgang mit der Ressource Wasser ist ein Weg, um eine gerechtere Verteilung zu ermöglichen. Weitere Investitionen würden sich lohnen: Fachleute gehen davon aus, dass jeder investierte US-Dollar in die Wasserversorgung einen volkswirtschaftlichen Schaden von acht US-Dollar vermeidet. „Wer global etwas verändern will, muss lokal aktiv werden. Vor Ort kann jeder einzelne Druck aufbauen.“ Jürgen Elsaß setzt sich seit Jahren für staatliche Kontrollen ein, die eine unbedenkliche Trinkwasserqualität bis zum Wasserhahn garantieren können. Das gibt es in Deutschland bis heute nicht.

Keine Kontrolle nach der Wasseruhr in Deutschland

© luchschen_shutter - Fotolia.com

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Trinkwasser gehört zu den bestkontrollierten Lebensmitteln. Aber: Nur bis zur Wasseruhr – danach kontrolliert niemand mehr. Niemand weiß, welche Qualität das Trinkwasser hat, das täglich aus unserem Wasserhahn kommt. Es gibt keine Kontrollen – sie enden an der Wasseruhr. Kontrollmechanismen, die uns sauberes Wasser garantieren, gibt es nicht. Der Sachverständige Elsaß fordert: „Das Trinkwasser muss nach der Wasseruhr ,an der am weitesten entfernten und am wenigsten benutzten Zapfstelle, die gleiche Qualität wie an der Wasseruhr haben. Dazu müssen, verbindlich vorgeschrieben, Proben entnommen und verglichen werden.“

Bis zur Wasseruhr gibt es ein dichtes Kontrollnetzwerk. Die Wasserversorgungsunternehmen tragen die Verantwortung für die Beschaffenheit des Trinkwassers im gesamten Verteilernetz. Die Betreiber von Wasserversorgungsanlagen sind zu regelmäßigen Untersuchungen und zur Dokumentation der Wasserqualität verpflichtet. Das Gesundheitsamt überwacht zudem durch eigene Kontrollen. Die Trinkwasserverordnung 2001 und ihre Novellierung 2011 formulierten dazu: „Die Wasserversorgungsunternehmen sind bis zur Übergabestelle in die Hausinstallation (Wasseruhr) für die Qualität des zur Verfügung gestellten Trinkwassers verantwortlich.“ [TrinkwV2001] Danach ist der Gebäudeeigentümer für die Hausinstallation verantwortlich. Hier warnt der Sachverständige Jürgen Elsaß: „Niemand garantiert, dass in Fleisch- und Wurstwarenindustrie sauberes Trinkwasser verwendet wird. Das Gesundheitsamt kontrolliert die Sauberkeit der Räume und Maschinen, aber nicht das verwendete Wasser aus der Leitung.“ Genauso verhält es sich in Mietwohnungen. Niemand ist vor schädlichem Wasser sicher. Jürgen Elsaß fordert jeden Bürger auf, sich zu engagieren. Schließlich betrifft ungesundes Wasser uns alle. Mehr Informationen finden Sie auf der Webseite: www.sachverstaendiger-elsass.de.

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