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Michael Grewe: Vom Shitstorm zur Morddrohung

Geschrieben von am 11.01.2013 in Klartext | 2 Kommentare
AndreasP/pixelio.de

© AndreasP / pixelio.de

Seit Dezember 2012 beschäftigt ein Ausbildungsvideo des renommierten Hundetrainers Michael Grewe weite Teile der Öffentlichkeit. Durch Grewes Prominenz erhält das Video besondere Brisanz.

Der kurze Videoausschnitt zeigt Herr Michael Grewe bei einer Ausbildungseinheit mit einem angeblich hochaggressiven Schäferhund. Das unerwünschte Verhalten des Hundes soll mit einem massiven Schlag mit einem Futternapf aus Metall gegen den Kopf des Hundes korrigiert werden. Klarheit über  Sinn oder Notwendigkeit dieser Maßnahme besteht bis heute nicht.

Die Reaktion der Öffentlichkeit, bei Hundehaltern und Hundetrainern verwundert nicht. Das Video, das anonym bei Youtube veröffentlicht wurde, konnte über Nacht mehrere Tausend Zugriffe verzeichnen. Die Empörungswelle schwappte auf die Facebook-Fanpage der Hundeschule-Hundeleben über, die von Grewe betrieben wird. Wer die Presse sucht, wird von ihr auch gefunden: Grewe wurde aufgefordert, eine Stellungnahme zum Sachverhalt abzugeben. Auch wir stellten eine Presseanfrage. In der Zwischenzeit eskalierte die Situation auf seiner Fanpage, welches ihn dazu veranlasste, seine Seite zeitweise vom Netz zu nehmen. Zuerst erschien eine Antwort Grewes an die Tierärztekammer Schleswig-Holstein im Netz: Grewe behauptete, das Video wurde ausschließlich zum Zwecke der Reputationsschädigung veröffentlicht.

Eskalation oder katastrophale Krisenkommunikation?

Am späten Nachmittag des 19. Dezember 2012 veröffentlichte Grewe eine offiezielle Stellungnahme auf seiner Facebook-Fanpage. Er hatte sich anscheinend entschlossen, die Fanpage doch wieder für Kommentare zu öffnen. In seiner Stellungnahme verteidigte er seine Ausbildungsmethode und versprach weitere Aufklärung. Die Erklärung hinterließ mehr Fragen als sie Antworten gab. Die Vorwürfe gegen Grewe gingen weiter. Die Kommentare reichten von sachlichen Anfragen und Beleidigungen bis hin zu vermeintlichen Morddrohungen. In dieser Zeit fand keine direkte Kommunikation zu Grewe statt, vielmehr wurde ihm wohl durch seinen Anwalt geraten, keinerlei Äußerungen zu veröffentlichen. Wohl die beliebte Methode: Krisen „aussitzen“.

Eine Krise kann jeden ereilen! Die Vorbereitung entscheidet über den Verlauf

Jedes Unternehmen, Marke, Produkt oder auch Person kann in den Sog einer Krise gelangen. Gerade durch eine mögliche rasante Verbreitung von Meldungen, die eine Krise auslösen können, sollte ein besonderer Augenmerk auf das Krisenmanagement gelegt werden. Die herkömmliche „Vogel-Strauss-Taktik“ gehört nun wirklich endgültig den Reliquien der Vergangenheit an. Wer eine Krise erfolgreich überstehen und sogar gestärkt aus dieser hervorgehen möchte, muss die Regeln der Krisenkommunikation beherrschen. Hierbei muss Glaubwürdigkeit und Transparenz im Vordergrund stehen.

Welche Fehler hat Grewe gemacht?

Zunächst hätte Grewe durch stetes Monitoring verfolgen sollen, wie die Stimmungslage im Web zu seiner Person ist. Dies müsste naturgemäß im Interesse eines jeden Unternehmens sein, schließlich ist die Kenntnis über das aktuelle Meinungsbild über ein Unternehmen auch außerhalb von Krisen von besonderem Interesse. Mit Beginn einer Krise müssen sofort zuvor festgelegte Kommunikationsmaßnahmen ergriffen werden. Dies bedeutet nicht zwangsläufig eine ausführliche Erläuterung der gesamten Umstände. Unerlässlich ist jedoch die Botschaft, dass das Unternehmen etwaige Vorwürfe wahrgenommen hat und innerhalb eines definierten Zeitfensters ehrliche Aufklärung ankündigt. Der Shitstorm Grewe ist in den sozialen Medien entstanden: Hier gelten spezielle Spielregeln. Zunächst sorgt die Vermengung von Fachkompetenz und subjektiver Meinung für Unübersichtlichkeit und Chaos. Besonders bei emotionalen Themen, wie der vermeintlichen Misshandlung eines Hundes ist die Empörungsbereitschaft bei den Nutzern extrem hoch. Hieraus resultieren wohl auch die verbalen Entgleisungen einiger Nutzer.

Shitstorm Hundetrainer Michael Grewe – Mission failed

Anstatt der angesprochenen öffentlichen Stellungnahmen wäre Grewe besser beraten gewesen, eine ehrliche und ausführliche Erläuterung abzugeben. Unter ‚ehrlich’ ist auch nachvollziehbar gemeint! Es ist doch völlig logisch, dass die empörte Öffentlichkeit den Vorgang weiterhin beobachtet und auch kommentieren wird. Sämtliche Versprechungen, wie beispielsweise die Veröffentlichung weiterer Videos, wurden bis dato nicht eingehalten. Auch wurden jegliche Aufrufe innerhalb Facebook, die Kommentare persönlich zu beantworten, ignoriert. Gekrönt wurde diese Unfähigkeit mit der Sperrung der Facebook-Fanpage. Was dachte Grewe? „Ich mache den Laden hier einfach zu, dann ist Schluss mit der Diskussion!“ Weit gefehlt, genau das Gegenteil trat ein, die Kommunikation findet nun nicht mehr auf seiner Seite statt, sondern verteilt sich auf eine Vielzahl anderer sozialer Medien. Er hat die Chance verpasst, auf seiner Plattform mit seinen Kritikern zu kommunizieren. Ein Paradebeispiel für Totalversagen im Krisenmanagement!

Auch muss sich Herr Grewe von seinem vielleicht geheimen Wunsch verabschieden, dass die Diskussion irgendwann abflauen wird. Sicher werden kritische Kommentare auf den Facebook-Seiten durch aktuelle Themen verdrängt, aber die Reputationsschädigung bleibt.

Google vergisst nicht!

Anstatt sich als Opfer zu sehen und verkünden zu lassen, er habe Angst um sein Leben und um das seiner Familie, sollte Grewe nun endlich die Courage zu einer glaubwürdigen Aufarbeitung beweisen!

Rechtliche Konsequenzen weiter ungewiss

Michael Grewe und sein  Canis-Zentrum schmücken sich mit einem Zertifikat der Tierärztekammer Schleswig-Holstein. Eine Stellungnahme bleibt die Kammer immer noch schuldig. Auch von den Ergebnissen einer Überprüfung der Ausbildungsmethoden der Hundeschule-Hundeleben durch das zuständige Veterinäramt, eingeleitet druch den Deutschen Tierschutzbund, ist bislang nichts bekannt.  Stattdessen kündigt der Berufsverband zertifizierter Hundetrainer e.V. ein Seminar unter der Leitung Grewes für Juli diesen Jahres an: Ohne Kommentar, ohne Verweis und scheinbar ohne Einsicht. Vielleicht kann man den Tippfehler “Michaela Grewe” unter Seminarleitung als Abstandsnahme deuten.

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2 Kommentare


  • Von: Helmut Lenz
    am 11.01.2013 um 13:24 Uhr

    “Nach Voranmeldung (!) dürfen gerne eigene Hunde zur praktischen Vorführung mitgebracht werden.”

    Es fehlt der Hinweis, daß gerne schlaggeeignete Futter/Wasser-Schüsseln zwecks Festigung und Erhöhung des Lernerfolges mitgebracht werden sollten.

    • Von: Jean Pierre Hort
      am 14.01.2013 um 14:05 Uhr

      Und, ganz wichtig: ethische sowie moralische Grundsätze sind auf dem Seminargelände nicht erwünscht und sind zu hause zu lassen!

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