Der Blick hinter die Nachrichten: DSA Worldnews

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Zeit ist Geld

Geschrieben von am 25.10.2012 in Fakten, Klartext | Keine Kommentare

© Gerd Altmann/ pixelio.de

Gezerre um einen Zeitaufschub für Griechenland: Der griechische Finanzminister Yannis Stournaras sagt ja – die Bundesregierung dementiert. Fakt ist: Entschieden ist noch nichts. Es bleibt der Bericht der internationalen Troika abzuwarten. Zurzeit soll die griechische Regierung mit der Troika einen Entwurf erarbeiten der vorsieht, dem Land zwei Jahre mehr Zeit zu geben, seinen Haushaltsdefizit unter die EU-Obergrenze von drei Prozent zu bringen. Ist ein Reformaufschub für Griechenland sinnvoll?

Auch wenn die Verlängerung der Zinslaufzeiten für die Griechenland-Hilfen noch nicht bestätigt ist, zeichnt sie sich deutlich ab. Aktuell heißt es unter Berufung auf einen ranghohen Vertreter der Euro-Zone: Griechenland benötige und erhalte, zusätzlich zu dem im Februar gewährten Hilfspaket von 130 Milliarden Euro, einen neuen Kredit zwischen 16 und 20 Milliarden Euro. Genau die Summe, die nötig wäre, Griechenland einen Aufschub von zwei Jahren zu gewähren.

Welche Konsequenz der Aufschub hätte, ist also klar: Es wird wieder teuer. Auch für uns. Und die Euro-Krise erhielte ebenfalls eine Laufzeitverlängerung. Griechenland hätte in der Umsetzung und vor allem in der Strenge der Reformen mehr Zeit. Die Regierung könnte ihren Bürgern vermutlich besser und wohlwollender die nötigen Einsparungen und Reformen vermitteln. Der Preis: höhere Kosten. Nicht nur für die Griechen. Ein neuer Kredit sowie ein weiterer Zinserlass wäre europäisch finanziert. Wieder einmal bewahrheitet sich: Zeit ist Geld.

Was kostet Stabilität?

Bei allen Szenarien, die es zur Euro-Krise gibt, scheint sich die Politik nun festgelegt zu haben. Sei es aus finanzpolitischen Aspekten oder aus europäischem Idealismus: Den Austritt eines Landes aus der Währungsunion soll es nicht geben. Zu wohlwollend und zahlungsbereit gibt sich die EU, als dass sie die Option Austritt oder sogar Rauswurf noch geltend machen wird.

Die aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung kommt zu dem bekannten Ergebnis: Ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion wäre für die EU ökonomisch zu verkraften. Allerdings wäre der zu erwartende Dominoeffekt der weiteren Austritte kaum zu kalkulieren. Die Wissenschaftler prognostizieren in diesem Fall eine Weltwirtschaftskrise. Noch verheerendere Folgen könnten entstehende soziale Spannungen und politische Instabilitäten haben. Angesichts des Zieles der Europäischen Union: Vermeidung von Krieg und die Herstellung von Stabilität, rückt das Bemühen um Griechenland in eine ganz andere Legitimität.

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