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Kapitel 4: Exkurs in die Geldgeschichte

Geschrieben von am 04.10.2012 in Eurokrise, Kapitel | 1 Kommentar

© KFM / pixelio.de

Es begann mit dem Tauschhandel: Dann bezahlten Menschen mit Muscheln, Pfeilspitzen, Fellen oder Perlen – mit Gegenständen, die einen Wert besaßen. Daher spricht man vom Warengeld. Aus dem Tauschhandeln mit Warengeld entwickelte sich das Geld. So einfach ist die Geschichte des Geldes? Oder hat unser Geldsystem ein Geheimnis? Stellen wir uns einmal die Frage: Was war zuerst da: Geld oder Schulden?

Doch erzählen wir die übliche Geschichte erst einmal zu Ende: Der Warenhandel nahm zu und wurde durch Münzen ersetzt, weil es so viele Vorteile hatte. Der Mensch musste seine Ware nicht mehr zur Tauschbank bringen: Er konnte Waren einfach mit Geld bezahlen und die Waren so zu beliebigen Zeitpunkten erwerben ohne ein konkretes Produkt direkt tauschen zu müssen. Der zeitlose Klassiker unter den Tausch- und Zahlungsmitteln ist Gold. König Krösus( um 590 – 541 v. Chr.) ließ die ersten Münzen aus dem seltenen Metall prägen. Der Warenwert von Münzen entsprach dem Wert der enthaltenen Metalle.

Gold war lange Zeit der Gegenwert unserer Währung: Doch was wir heute in der Tasche haben, hat nichts mehr mit Warengeld gemein. Eine Rückbindung an Goldbestände existiert seit dem 15. August 1971 nicht mehr: Der damalige Präsident Richard Nixon löste den US-Dollar per Dekret von der Wertbindung an den Goldbestand. Eine neue Epoche der Wirtschaftsgeschichte brach an.

Unser heutiges Geld ist durch keinen Gegenwert mehr gedeckt. Geldscheine sind bedrucktes Papier und unsere Münzen sind geprägtes Metall. Aus ökonomischer Sicht ist Geld das, was eine Geldfunktion erfüllt. Der Wert des Geldes ist gesellschaftliche Konvention: er entsteht dadurch, dass wir es tauschen und ständig gebrauchen. Erst unser Vertrauen in den Wert des Geldes gibt dem Geld seinen Wert. Das hat Aristoteles bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. erkannt.

Staatsschulden: Ursprung des Geldes?

Und wenn wir schon wieder in der Antike angekommen sind soll Cicero nicht zu kurz kommen. Der römische Politiker, Schriftsteller und Philosoph merkte in der philippischen Rede an: „Wie wahr, daß Gelder die Lebenskraft des Krieges sind.“

David Graeber, amerikanischer Anthropologe und Vordenker der Occupy-Bewegung, kannte Ciceros Anmerkung wohl, als er in seinem neusten Werk Schulden: Die ersten 5000 Jahre die These aufstellte, dass Regierungen Geld erfunden haben, um Soldaten in Kriegen zu bezahlen. Gemeint ist hier das Münzgeld. Graeber kommt zu der These: „Das moderne Geld hat seinen Ursprung in Staatsschulden, denn Staaten leihen sich Geld, um Kriege zu finanzieren.“ Stimmt seine These, gab es zuerst Schulden. Um diese zu begleichen wurde etwas erfunden: Das moderne Geld.

Das moderne Geld entstand nicht nur aus pragmatischen Vorteilen des Warenhandeln, sondern aus einer Not heraus, Söldner in Kriegen bezahlen zu müssen.

Auch den Tauschhandel, wie Adam Smith in beschrieben hat und die Grundlage unseres Verständnisses von Geld ist, hat es nie gegeben, so Graeber. Anthropologen haben herausgestellt, dass es keine Gesellschaften gab, in denen Waren gegen Waren getauscht wurden. Jahrtausende bevor Geld existierte, soll es bereits Kreditsysteme gegeben haben. Bei den Babyloniern beispielsweise wurden Schuldzahlungen auf Tafeln vermerkt. Also gab es Schulden, bevor es das Geld gab.

In seinem Werk Kleine Geschichte des Geldes. Vom Mittelalter bis heute stellt Michael North fest, dass die Entwicklung des Geldwesens seit dem Mittelalter stets durch ein hohes Maß an Unsicherheit und Instabilität gekennzeichnet sei. Sind bei der Erfindung des Geldes, Krieg, Schulden und das Geld eine Allianz eingegangen, so wie es Graeber vermutet, stellt sich die Frage: Sind Krisen Bedingungen unserer Kapitalmärkte?

Literatur zum Thema:
Graeber, David: Schulden: Die ersten 5000 Jahre. Stuttgart 2012.
North, Michael: Kleine Geschichte des Geldes. Vom Mittelalter bis heute. München 2009
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1 Kommentar


  • Von: Andreas
    am 18.11.2012 um 13:55 Uhr

    Interessanter Artikel, den ich noch um einen Verweis auf K. Brodbeck: ‘Die Herrschaft des Geldes’ erweitern möchte. Brodbeck erklärt in diesem Buch das Geld als eine Form der Vergesellschaftung der Menschen. Damit erfüllt Geld eine ähnliche Funktion wie die Sprache. Auch er vertritt die These dieses Blogartikels, dass Geld seine Bedeutung lediglich durch unsere Anerkennung erhält und keinen Wert und keine Bedeutung an sich besitzt.
    Zudem versucht er den Beweis zu erbringen, dass die allermeisten Wirtschaftswissenschaftler bezüglich des Geldes völlig auf dem Holzweg sind, da schon ihr methodischer Ansatz ihren Forschungsgegenstand verfehlt. Als große Ausnahme nennt er vor allem Aristoteles (der hier ja auch passend erwähnt wird) und in Abstrichen Marx.

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